Servicetechniker: Einzelkämpfer mit Tüftlerqualitäten

Servicetechniker für Aufzugsanlagen in Oberbayern

Servicemechaniker C. Wackerbauer Christoph Wackerbauer ist Servicetechniker bei VESTNER in der Region Oberbayern. Hier beantwortet er alle wichtigen Fragen zu seinem Beruf und Arbeitsalltag.

Herr Wackerbauer, welche Ausbildung haben Sie?

Ich habe Elektromechaniker gelernt. Das ist der heutige Mechatroniker.

Was muss ein Servicetechniker Ihrer Meinung nach unbedingt an fachlichen Kenntnissen mitbringen?

Eine gute Ausbildung in einem elektro-mechanischen Handwerk. Natürlich sollte er ein grundsätzliches Interesse an der Elektromechanik mitbringen. Freude daran haben. Sonst lernt man nichts dazu.

Welche persönlichen Voraussetzungen braucht ein Servicemechaniker bei VESTNER?

Das ist eine gute und wichtige Frage. Ein Bewerber sollte auf jeden Fall Freude am selbstständigen Arbeiten haben. Wichtig ist eine Trüffelschweinchen-Nase: Eigenständig zu überlegen, auszuprobieren, sich zu trauen, ehe man die Kollegen fragt. Die Eigenschaft und die Freude, sich in seinem Tun selbst zu verwirklichen.

Wichtig ist auch ein gutes Gedächtnis. Wenn man etwas erklärt bekommt, dass man sich das auch merkt und es beim nächsten Mal weiß und alleine zurechtkommt.

Das heißt, das Wichtigste beim Servicetechniker ist die Eigenständigkeit?

Ja. Servicetechniker ist ein anspruchsvoller Job. Man kann ja nicht nach Plan A und B verfahren, sondern man muss seinen ganzen Tag selbst organisieren. Mit so wenig Fahrzeit wie nötig, so viele Aufträge wie möglich zu schaffen.

Ganzheitlich ist wichtig. Ein Monteur sollte das Konstrukt aus Kunden, VESTNER, Anlage, Reparatur, Wartung, Verkauf ganzheitlich zu erkennen. Also nicht nur die Reparatur durchzuführen, sondern sich auch um den Kunden kümmern.

Wie sieht so ein typischer Arbeitstag aus? Wie läuft er ab? Wie bekommen Sie Ihre Aufträge?

Ich bin Gebietsmonteur bei VESTNER. Mein Arbeitstag beginnt um 7.30 Uhr beim ersten Kunden und endet um 16:15 Uhr. Freitags ist um 15:00 Uhr Schluss. Die Aufträge bekomme ich über die Handysoftware auf mein Handy: Reparaturaufträge, Festpreisaufträge, Störungen und Wartungsaufträge, die pro Monat abzuarbeiten sind. So ist der Arbeitstag immer gemischt.

Das klingt sehr abwechslungsreich.

Ja, die Arbeit ist sehr umfangreich. Man muss auch mit dem Kunden sprechen können, ihn zufrieden stellen. Nur, wenn der Kunde, der Hausmeister, mir der Fachkraft, volles Vertrauen schenkt, kann ich ihm ein vernünftiges Angebot machen.

Sie sind ein „Einzelkämpfer“. Wie wichtig ist die Teamfähigkeit als Servicemonteur?

Alle Monteure sind Einzelkämpfer, weil sie mit dem Tagesgeschäft alleine klarkommen müssen. Aber es gibt immer wieder Fehler, bei denen man selber nicht weiterweiß, oder einen zweiten Monteur benötigt, z.B. beim Fall, wo einer an der Steuerung steht und der andere in den Schacht einsteigen muss.

Wichtig ist Teamfähigkeit auch beim Notdienst. Wir sind 6 Kollegen und teilen uns den Notdienst. Wenn jetzt mein Kollege aus Passau dran ist, und eine Störung in Bad Wiessee gemeldet wurde, macht es keinen Sinn, dass er dort hinfährt. Also ruft er mich an und fragt, ob ich die Störung übernehmen kann.

Wie groß ist Ihr Gebiet? Wie viele Aufzüge betreuen Sie?

Ich betreue ca. 180 Aufzugsanlagen. Mein Gebiet reicht vom Tegernsee über den Kreis Ebersberg bis hin zur A99. Ich habe zu meiner weitesten Anlange ca. 1h Fahrtzeit.

Müssen Sie Überstunden machen?

Es ist keine Schwierigkeit seine Sollstunden mit seiner normalen Arbeit zu erreichen. Es kommt im Notdienst vor, dass man Überstunden machen muss. Zum Beispiel bei «stehenden» Anlagen. Die werden immer vorrangig bearbeitet.

Wenn man die Überstunden nicht über einen Ausgleich geltend macht, dann werden sie zusammen mit den Zuschlägen am Monatsende ausbezahlt.

Das heißt, das wird recht flexibel gehandhabt?

Ja, wenn ich einen Tag frei brauche, kann ich über meine Teamleiterin Überstunden eintragen lassen, die ich dann nachträglich abarbeite. Das heißt, man kann Überstunden machen, muss aber nicht. Außer beim Notdienst.

Wenn man im Notdienst angerufen wird, muss man los. Dann kommt auch mal vor, dass man 12 Stunden unterwegs ist. Aber das passiert übers Jahr höchstens 3- oder 4-mal. Also es hält sich in Grenzen.

Wegen welchen Fehlern werden Sie häufig gerufen?

Eine gut gewartete Aufzugsanlage läuft relativ störungsfrei. Die häufigsten Fehler sind Fehlbenutzungen, Stromausfälle oder technischer Mangel. 90 Prozent sind Türstörungen, an der Schachttür oder Kabinentür. Verklebte oder verdreckte Lichtschranken. Fehler werden auch durch Rütteln an der Tür oder Springen in der Kabine ausgelöst.

Die Aufgabe des Servicetechnikers besteht daran, die Anlage ganzheitlich zu betrachten, die Anlage bei jeder Wartung neu zu starten, die Steuerung zu reseten, den Fehlerspeicher zu löschen und zu schauen, dass die Anlage von Wartung zu Wartung fehlerfrei läuft.

Das heißt, ein Servicemechaniker muss immer up to date sein.

Ja, selbst baugleiche Anlagen können nicht immer miteinander verglichen werden. Wir brauchen flexible Leute, die mit der technischen Entwicklung Schritt halten können und wollen.

Bei Fehlern am Aufzug, sind die Kunden sauer?

Das kommt immer auf den Servicemonteur an. Wenn der Monteur die «Schuld» auf den Kunden schiebt, und den Fehler abtut, dann sind die sauer. Die Kunden haben keinerlei technisches Wissen und sie wollen ernst genommen werden. Das Kunststück als Servicemonteur besteht darin, das Interesse der Firma VESTNER zu wahren ohne den Kunden zu belügen.

Welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten hat ein Servicetechniker?

Im Bereich Aufzugstechnik kommt eine Technikerausbildung in einer Fachoberschule oder ein Bachelor in Automatisierungs- und Prozesstechnik in Frage. Mit dem Studium sollte man in der Lage sein, 99% der Probleme abzudecken.

Welche Arbeitsmittel haben Sie (Auto, Telefon, Werkzeug…?)

Ich habe ein Firmenfahrzeug. Es gibt einen großen Opel Viano, mit Kettenschutz und Schweißzeug. Ich habe einen VW Caddy. Für größere Sachen muss man einen Kollegen rufen, der diese Sachen im Auto hat. Und das sind ja auch Reparaturen, die man nicht alleine durchführen kann.

Dann hat jeder Monteur ein Handy mit der VESTNER-App, über die wir unsere Aufträge abwickeln.

Als ich angefangen habe, habe ich mein Werkzeug bekommen. Da war auch alles dabei, was ich gebraucht habe.

Haben Sie «Lieblingsaufzüge» oder andersherum Aufzüge, zu denen Sie nicht so gerne fahren?

Das kommt auf einen selber an. Wenn man mit den meisten Steuerungen und Aufzugsanlagen gut klarkommt, wenn man das Grundprinzip versteht, dann gibt’s keine schwierigen Aufzugsanlagen.

Ich fahre natürlich gern zu meinen eigenen Anlagen. Da weiß ich, dass die Wartung gescheit gemacht ist, dass alles läuft. Und ich mag Anlagen, bei denen keiner mehr weiterweiß und ich zeigen kann, was ich kann.

Servicetechniker: Einzelkämpfer mit Tüftlerqualitäten
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